Joomla und Drupal

Subjektive Entscheidungshilfen

Kleine subjektive Gegenüberstellung von Merkmalen und Eigenschaften der quelloffenen WCMS Joomla und Drupal.

  • Joomla leidet noch immer unter der Abspaltung von Mambo im Jahr 2005. Für mich ist das Projekt noch immer nicht so weit konsolidiert, dass ich Vertrauen fassen würde.
  • Bei Joomla vermisse ich ein konsequentes Bekenntnis zu einer freien Softwarelizenz. Bei Drupal steht dagegen sowohl der Core als auch sämtliche auf drupal.org verfügbaren Module und Themes unter der GNU GPL.
  • Joomla steht noch immer im (Ver-)Ruf, es sei damit unmöglich, barrierefreie Websites zu bauen und den Anforderungen der Accessibility zu genügen. Während diese Zuschreibung in der Vergangenheit wohl zweifellos zutraf, bessert sich die Situation derzeit durch Beez - dennoch schleppt Joomla hier eine schwere Erblast mit sich herum. Derartige Probleme sind Drupal von jeher fremd, dort beschäftigt man sich eher mit der Perfektionierung von Templates (Content-first ordering) oder der Integration noch mächtigerer CSS-Frameworks (wie 960 GS). Drupal hat hier m.E. noch immer Jahre Vorsprung.
  • Suchmaschinenfreundlichkeit und semantische URLs - auch hier gibt es eine einfache Entscheidung: Drupal unterstützt das von Hause aus (Clean-URLs), Jomla nicht.
  • Weder Jooma noch Drupal bieten von Hause aus ausgefeilte Rechtekontrollsysteme, wie sie sie kommerzielle CMS meist mitbringen; Drupal ist als Portalsystem für Communities ausgelegt, daher können registrierte Benutzer zumindest ihren eigenen Content kontrollieren; komplexere Rechtekontrollsysteme lassen sich nachrüsten.Jooma fehlen bisher jegliche konzeptionelle Grundlagen in Richtung ausgefeilter ACLs.
  • Dries Buytaert hat die Performance von Drupal 4.7.3 mit der von Joomla 1.0.10 verglichen und sowohl Testmethodik als auch Ergebnisse im August 2006 in seinem Blog publiziert; Ergebnis: Ohne Caching ist Joomla 44 Prozent schneller als Drupal, mit Caching wird Drupal jedoch 319 Prozent schneller als Joomla. Joomlas Cache-System verbessert die Performance um 12 Prozent, während Drupals Cache-System die Gesamtperformance umd 508 Prozent (!) verbessert.
  • Bei der Softwareentwicklung gibt es die Maximen des eat your own dogfoot und bootstrappings: Irgendwann sollte man die eigenen Werkzeuge einsetzen; eine Textverarbeitung, die ihre Dokumentation mit dem Konkurrenzprodukt schreiben lässt, sollte Misstrauisch machen. Joomla hat gar kein integriertes Forum und verwendet daher auf joomla.org phpBB; nicht einmal die offizielle Online-Dokumentation von Joomla setzt das eigene CMS ein, hier wird Mediawiki verwendet.
  • Drupal bietet mit der Taxonomie ein flexibles Kategoriensystem zur Verschlagwortung von Inhalten; ein vergleichbares Konzept gibt es in Joomla nicht.
  • Beide Systeme versprechen eine gute Erweiterbarkeit, m.E. löst jedoch nur Drupal dieses Versprechen letzlich ein; bei Joomla stößt man - natürlich abhängig von den jeweiligen Anforderungen - möglicherweise sehr rasch an unüberwindbare Grenzen. Konzeptionell und softwaretechnisch ist Drupal einfach robuster und ausgereifter - außerdem ist Drupal Core ist deutlich schlanker als Jomla und bietet eine gut Dokumentierte API.

Mein Fazit: Die Gegenüberstellung von Drupal und Joomla vergleicht Äpfel mit Birnen; die Systeme richten sich an unterschiedliche Zielgruppen und spielen in vollkommen anderen Gewichtsklassen. Wer rasch und unkompliziert eine kleine Website aufsetzen möchte, mag mit Joomla gleücklich werden; wer höhere Anforderungen an Skalierbarkeit, Standardkonformität, Flexibilität und Erweiterbarkeit hat, sollte sich Drupal näher ansehen.

Netmarks

  • Google Trends - Vergleichende Darstellung der Suchanfragen zu Drupal, Mambo, Joomla, Mediawiki und Tikiwiki